Montag, 6. April 2015

Der kleine und der große Unterschied

Ein Münchner Herrenausstatter hat die Stadt mit nackten Männern plakatiert, untermalt mit der Frage: "Wer kann Mann?". Ergebnis der Kampagne ist, dass der besagte Ausstatter "Mann kann". die dritte Runde der Plakataktion zeigt die zuvor nackten Männer halb angezogen, halb nackt.
Wenn die ganze Stadt mit nackten Frauen plakatiert gewesen wäre, hätte ich sofort gesagt, dass die Kampagne sexistisch ist. Kann Mann Sexismus ausgesetzt sein? Ist diese Kampagne sexistisch? Ich denke: ja und nein. Die Männer auf den Bildern wurden ausnahmslos zwar nackt, aber dabei nicht vergleichbar mit Frauen in einer Unterwäschekampagne dargestellt. Wir erinnern uns: Frauen liegen hingestreckt, mit leicht geöffnetem Mund auf zerwühlten Laken. Die Männer in der "Kann-Mann"-Kampagne wurden stark, muskulös und keinesfalls hingestreckt dargestellt. Ein Mann hat eine Startposition wie bei einem Rennen.

Und trotzdem werden sie auf den Plakaten reduziert: alle Männer in der Kampagne entsprechen, nackt oder angezogen, dem Bild, das von Männern erwartet wird. Sie haben Muckis, sie lassen sich keine Butter vom Brot nehmen, angezogen oder nackt. Es wird also für die Männer genau wie für die Frauen angenommen, dass sie genau einem Bild entsprechen können: Frauen - nackt - hingegeben - Laken - offenmundig. Männer - nackt - stark - Rennen - Starten.

Will ich jetzt verbieten, dass Werbung Haut zeigt? Erstmal: nein. Aber ich will Vielfalt sehen: Frauen, die, wenn sie schon in Unterwäsche gezeigt werden, mal was anderes machen, als mit offenem Mund rumzuliegen. Und Männer, die auch ohne Muckis in der Renn-Start-Position sitzen. Das ist vermutlich ein weiter Weg. Aber er kann ja irgendwann man anfangen...

Kommentare:

  1. Hm, ich wuerde Deine Einschaetzung nur bedingtb teilen. Man koennte das glaube ich noch staerker im Richtung von Heterosexismus denken. Allein die Frage "Wer kann Mann?" ist ja schon eine sexistische Unterstellung, denn die Antwort darauf liegt zunaechst nicht beim Einzelnen, der sich als Mann definiert. Andere haben diese Definitionsmacht. Die Reklame zieht dabei aber nicht die Konsequenz, dass Maennlichkeit hergestellt werden muss, also im Sinne eines alltaeglichen passing-als-Mann sondern, dass es sich um eine rare Kompetenz handelt, und die nicht jedem zusteht. Oder nochmal anders gefragt: Was an der Werbung ware nicht sexistisch? Dass Maenner nackt gezeigt werden, dass sie es anderen Maennern erlaubt, Mannerkoerper nachzuschauen?

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